Allgemein Fashion Texte & Gedanken

Weniger ist mehr

Meine Einstellung  gegenüber Kleidung und allgemein materiellen Dingen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich miste inzwischen viel viel regelmäßiger aus und bin da viel radikaler als früher. Ich denke bei Kleidung, die ich seit Monaten nicht mehr getragen habe, nicht mehr: hm, wenn ich es anders kombiniere oder trage, sitzt es vielleicht besser und sieht besser aus bla bla … 1. probiere ich danach zu 99% nicht mal aus wie das Kleidungsstück anders kombiniert aussieht und 2. wenn ich es 8-mal getragen habe und ich mich 8-mal nicht zu 100% wohlgefühlt habe, dann werde ich das auch nicht beim neunten Mal tun. Es ist nun mal so und ich frage mich, wie ich früher Sachen kaufen konnte, bei denen ich mir schon in der Umkleide Gedanken darüber gemacht habe, dass es irgendwie nicht perfekt sitzt aber trotzdem ja ganz cool aussieht. Ich habe definitiv noch immer sehr viel Kleidung und mehr als ich brauche (was braucht man schon WIRKLICH?), aber ich kaufe bewusster ein und versuche vor allem weniger zu kaufen und stattdessen mit allem was ich habe vollkommen zufrieden zu sein. Ich hab für mich selbst festgestellt, dass ich unterwegs viel bewusster kaufe als online. Online sind es nur ein paar Klicks vom Sofa aus und Schwupps wurden mal eben zehn Oberteile bestellt. Meistens hab ich dann keine Lust die Sachen, die nicht perfekt sitzen und nur in Ordnung sind, wieder zurück zu schicken und behalte sie. Nicht schlau – denn 1. gebe ich unnötig Geld aus und 2. liegt es dann wieder ewig bei mir rum ohne richtig getragen zu werden.

Es ist aber auf jeden Fall auch wichtig, bewusst auszusortieren und nicht von jetzt auf gleich fünf T-Shirts wegzuschmeißen, nur weil sie in dem Moment nicht dem eigenen Geschmack entsprechen. Ich hab gelernt einzuschätzen, was ich in einem halben Jahr vielleicht wieder schön finde und was ich wirklich aussortieren kann, weil ich es schon seit drei Jahren nicht mehr schön finde. Etwas zu schnell auszumisten und im schlimmsten Fall dann drei Monate später wieder neu zu kaufen bringt auch nichts. Es geht darum, weniger zu konsumieren und dies dann nachhaltiger zu tun, zum Beispiel durchs Einkaufen auf Flohmärkten oder bei Kleiderkreisel (nicht ideal wegen Versand, aber trotzdem Secondhand).

Ich bin definitiv keine „perfekte“ Einkäuferin, kaufe immer noch zu viel oder Sachen, in denen ich mich nicht zu 100% wohl fühle, aber ich versuche daran zu arbeiten und mich immer ein Stückchen weiter zu entwickeln. Vor allem möchte ich damit anfangen, eher wenig hochwertigere und nachhaltigere Kleidung zu kaufen statt viel Fast-Fashion, die ich in ein paar Monaten gar nicht mehr richtig schätze. Ich möchte eher zeitlose Basics besitzen, die ich immer wieder neu kombinieren kann statt alle möglichen Trends, die mir in ein paar Monaten gar nicht mehr zusagen. Ich möchte mir zum Beispiel unbedingt noch einen schlichten und qualitativen Mantel kaufen, der zu allem passt und den ich auch in ein paar Jahren noch mag. So etwas ist für mich ein Basicteil, das man einmal kauft und ewig tragen kann. Genau wie eine gut sitzende Jeanshose oder eine schwarze Lederjacke.

Weniger und bewusster zu konsumieren und vor allem Fehlkäufe zu vermeiden braucht schon ein wenig Übung und vor allem ein wenig Zeit, um zu erkennen und einschätzen zu können, was wirklich in den Kleiderschrank gehört und was nicht sein muss. Ich arbeite daran, habe vor Kurzem wieder ausgemistet und versuche, bei Kleiderkreisel zu verkaufen. Dinge, die sich in zwei Wochen noch nicht verkauft haben, bringe ich zur Altkleidersammlung, weil ich die aussortierten Sachen schnell loswerden möchte. Es ist einfach so viel befreiender, wenig zu haben und damit auszukommen.

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