Texte & Gedanken

Glückssommer

Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue auf die Postkarten, die ich eben an meine Wand geklebt habe. Postkarten von Orten, an denen ich in diesem Sommer war. Und während draußen die Sonne scheint, die Luft aber klarer und frischer ist als in den vergangenen Wochen, merke ich: der Herbst beginnt. Langsam. Und: dieser Sommer, der schien unendlich. Fing gefühlt schon im April an – erste Badetage am See, langsam nach einem langen Winter aufgetaut. Und endete vor ein paar Tagen – Anfang September. Dieser Sommer – ja der schien unendlich, endete nicht, enttäuschte nicht, überraschte. Und vor allem war er schön und so intensiv, wie schon lange nicht mehr. Und auch wenn ich im August zwischenzeitlich in Herbststimmung war: nachdem ich die vergangene Woche in Sevilla verbracht habe, wollte ich wieder mehr Sommer, mehr Sonne, mehr Unbeschwertheit, mehr Leichtigkeit. Denn das war dieser Sommer. Er war leicht und unbeschwert und so so schön. Gefüllt mit Sonnenuntergängen und Stränden und Freiheit. Dieser Sommer war unendliche Freiheit, eine nie enden wollende Gefühlsmischung aus Euphorie und Leichtigkeit und Tränen. Vor Glück.

Und ich schreibe das hier gerade, weil ich weiß, dass die Blätter sich langsam von grün zu orange färben und wieder Kürbisse im Supermarkt liegen und ich mir morgens lieber einen Pulli überziehe, weil es nachmittags regnen soll. Weil ich merke, dass dieser scheinbar nie endende Sommer endet und es Herbst wird. Und das ist schön, denn jede Jahreszeit hat gute Dinge an sich und ich liebe den Herbst. Aber genauso weiß ich, dass mir die Sommermonate fehlen werden. Dass ich an diesen Sommer anders zurückdenken werde als an die vergangenen. Melancholisch. Vermissend. Diesen Sommer gab es so viele solcher Momente, in denen ich schon währenddessen wusste, wie sehr ich sie vermissen werde, wenn sie der Vergangenheit angehören. Vielleicht hab ich sie genau deswegen noch intensiver gelebt, noch mehr genossen, noch doller geschätzt. Marmeladenglasmomente.

Ich möchte ein bisschen von diesem Sommer mit in den Herbst nehmen. Jeden Tag so nehmen, wie er kommt. Unbeschwert sein. Denn, was ich gelernt und besonders im Sommer gelebt habe: es kommt alles, wie es kommen soll und in erster Linie geht es darum, die Momente zu genießen, die das Leben mir schenkt. Alles andere – ergibt sich. Es funktioniert alles irgendwie und Glück darf nicht von äußeren Umständen abhängig sein. Es muss von innen heraus kommen. Egal ob es dreißig oder sechszehn Grad sind – das Leben ist gut und der Sommer war schön, aber der Herbst wird es auch. <3

 

Nochmal auf den Dächern sitzen, vielleicht zum letzten Mal.
Der nächste Sommer wird auf keinen Fall so, wie der letzte war.

(Kraftklub – Wieder Winter)

creative wordpress theme

Write a comment