Sibylle Berg – Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot #readit

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das ich für die Uni gelesen habe. Und ich kann gar nicht so recht sagen, ob ich es liebe oder hasse. Es handelt sich um einen Roman der Popliteratur, verfasst von Sibylle Berg. „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ – der Titel des Romans ist in meinen Augen sehr ansprechend, er lässt tiefgründigen Inhalt und inspirierende sowie poetische Sätze vermuten. Aber jeder, der schon mal ein Werk der Popliteratur (Faserland von Christian Kracht z.B.) gelesen hat, weiß, dass man keine langen, poetischen Sätze erwarten kann, die stilvoll und ästhetisch klingen. Nein. Die Sätze in popliterarischen Werken sind eher kurz und knapp. In Sibylle Bergs Roman wird wenig wirklich ausführlich beschrieben oder gar umschrieben, die Erlebnisse und Gedanken der Protagonisten werden knallhart auf den Punkt gebracht. Anfangs fand ich es wirklich anstrengend zu lesen. Ich liebe lange Bandwurmsätze, in denen Gedanken und Emotionen ausführlich und vielleicht auch etwas ästhetischer beschrieben werden. Wobei Ästhetik natürlich subjektiv ist. Aber harte Fakten werden so umschrieben, dass sie etwas schöner klingen, inspirierender. Eben nicht so hart. Das ist in Sibylle Bergs Werk jedoch nicht der Fall ( und allgemein nicht in Romanen der Popliteratur). Vielleicht fiel es mir genau deshalb am Anfang  etwas schwer. Weil nichts schöner dargestellt wurde, als es vielleicht ist und weil man als Leser nicht verschont geblieben ist von all dem Zynismus, der in diesem Roman steckt. Ja – die Charaktere der Geschichte(n) sind extrem zynisch, extrem unglücklich und auch ziemlich hoffnungslos. Wirklich positive und optimistische Sätze findet man selten bis nie und ich glaube das hat mich am allermeisten gestört. Trotz allem hat es mit der Zeit Spaß gemacht, sich mit dem Buch auseinanderzusetzen und auch wenn dort keinen langen Sätze mit vier Nebensätzen bestehend aus poetischen Umschreibungen zu finden sind, bieten die kurzen und knappen Sätze dennoch Freiraum für Interpretationen. Sie regen zum Nachdenken an und manche Sätze bleiben hängen. Ich denke ich würde mein Verhältnis zu dem Roman abschließend wie folgt beschreiben: ich kann den Charakteren und deren Eigenschaften nicht besonders viel abgewinnen, für mich sind sie keine inspirierenden Persönlichkeiten, eher stellen sie Personen dar, bei denen mir klar ist, dass ich niemals so sein möchte wie sie. Der Roman regt nicht zum Träumen, jedoch zum Nachdenken an. Der Schreibstil ist in meinen Augen zu abgehackt und unästhetisch, trotzdem haben einige Sätze es geschafft, in meinem Gedächtnis hängen zu bleiben. Und die möchte ich hier nun mit euch teilen:


Ich hasse Frauen, die Sonnenuntergänge lieben. Eine gefährliche Sucht nach heiler Welt.

Ich bin Mittelmaß. Ich bin jemand, der die Welt weder anhält noch schneller laufen läßt. Ich bin ein aufgeblasenes Nichts. Sich aufblasend aus der Angst heraus, daß, wenn der Ballon zusammenfällt, das Nichts für alle sichtbar ist.

Heimgehen werde ich nicht. Hoffentlich nicht. Ich weiß auch gar nicht, wo das ist – zu Hause.

Alle reden, um sich einzureden, was zu fühlen.

Es geht nicht um das Kussgefühl, sondern um das, was der Kuss bedeutet.

Man muss sich ablenken, um nicht laut zu hören, dass es leise nicht geht.

Er saß an einem Tisch, und sie hatte ihn gesehen, und ihr Gehirn, ihr Verstand waren in den Blick geflossen und waren auf ihm explodiert.

Er fuhr weg. Und sie saß vor ihm und wusste zum ersten Mal, was Demütigung war.

…und beide sind ein bisschen froh. Und traurig, weil Liebe oder die Sache hinter dem blöden Wort so schwer ist.


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Kennt ihr den Roman? Was haltet ihr von Werken der Popliteratur wie z.B. Faserland?

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12 Kommentare

  • Tina
    12. Juli 2016 at 19:58

    Hi Alina, von der Autorin Sibylle Berg hatte ich tatsächlich schon mal gehört, aber das Buch kenne ich nicht. Genauso wenig wie andere Bücher in der Schiene der „Popliteratur“. Aber durch deinen Post bin ich ziemlich neugierig geworden und denke, ich werde mir das auch zulegen. Ich mag es normalerweise auch lieber, wenn alles schön umschrieben wird, etc, aber ich denke, genau das gibt einem eine neue Sichtweise auf das Leben. Dankeschön für die Inspiration und auch für die Sätze. Am meisten hat mich „Alle reden, um sich einzureden, was zu fühlen“ zum Nachdenken gebracht. Irgendwie steckt doch wirklich was wahres dahinter, oder?
    Wirklich toller Post!
    Ich lass dir ganz liebe Grüße da,
    Tina von http://www.freckledrebell.de

    • Alina
      Alina
      13. Juli 2016 at 23:39

      Freut mich, dass ich dich dazu inspirieren konnte, mal was Neues in der Hinsicht auszuprobieren! Vielleicht gefällt es dir, lass es mich wissen. Es interessiert mich, wie andere diesen Roman finden 🙂
      Danke für deinen lieben Kommentar Tina und liebe Grüße :*

  • Darian
    13. Juli 2016 at 23:31

    Hallo Alina,
    ich habe den Text gelesen doch leider nur die Hälfte verstanden und habe dann aufgehört. Trotzdem bist du die tollste Bloggerin!
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du damit so erfolgreich wirst, wie noch kein Anderer.

    In Liebe
    Darian 73

    • Alina
      Alina
      13. Juli 2016 at 23:36

      Hahaha love you 😀

  • Carrie
    14. Juli 2016 at 7:03

    danke für den tollen Beitrag
    http://carrieslifestyle.com

    • Alina
      Alina
      17. Juli 2016 at 12:19

      Freut mich, dass er dir gefallen hat 🙂 Liebe Grüße

  • S.Mirli
    15. Juli 2016 at 12:33

    Ich kenne das Buch nicht, aber du hast mich wirklich extremst neugierig darauf gemacht. Da ich sowieso ständig ein Buch vor der Nase habe, freue ich mich IMMER über Buchtipps und dann besonders über so ganz spezielle. Ich liebe ja auch Bandwurmsätze, schreibe ja selber so gut wie nie kurz und knapp, aber es ist bestimmt spannend sich einmal auf Neues einzulassen, ist also sofort auf meiner Leseliste gelandet, viiiielen Dank für den Tipp, speziell weil er von dir kommt, bin ich besonders neugierig. Alleine schon das Zitat „Man muss sich ablenken, um nicht laut zu hören, dass es leise nicht geht.“ hat ich sofort angesprochen, also: DANKE NOCHMAL und ich wünsche dir ein wuuunderschönes Wochenende liebe Alina, alllllles Lieb, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

    • Alina
      Alina
      17. Juli 2016 at 12:20

      Es freut mich, dass ich dich dazu inspirieren konnte, mal etwas Neues auszuprobieren liebe Mirli 🙂 Ich bin sehr gespannt, wie du es finden wirst!
      Ganz liebe Grüße <3

  • Alissa
    16. Juli 2016 at 17:19

    Wow, ich muss sagen, nachdem ich die Zitate gelesen habe, die du dir aus dem Buch heraus gesucht hast, bin ich wirklich beeindruckt. Ich mag ja Bücher, die „anders“ sind sehr gern, und du hast mich jetzt definitiv neugierig auf dieses hier gemacht. Danke! <3
    Küsschen
    Alissa
    http://www.alissaloves.de

    • Alina
      Alina
      17. Juli 2016 at 12:21

      Danke Alissa, das freut mich :-)) Liebe Grüße <3

  • Imke
    19. Juli 2016 at 9:56

    Das klingt wirklich interessant! Meine beste Freundin hat mir Faserland gegeben, das fand ich ziemlich gut, sie aber auch nicht so. Ihr scheint euch manchmal sehr ähnlich zu sein.:D Ich werde mir das Buch auf jeden Fall mal angucken!:)
    Liebe Grüße & toller Blog <3 Imke

    • Alina
      Alina
      19. Juli 2016 at 17:42

      Haha vielleicht hat deine beste Freundin dieses Buch ja auch und kann es dir leihen 😛
      <3 <3 <3

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20. Bremen. Berlinliebe. Tagebuch. Schreiben. Wasser. Reisen. Meer. Pizza. Uni. Liebe. Chai Latte. Lesen. Gedanken. Fotos. Erinnerungen. Hier und jetzt.

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