Ein ganz neues Leben #readit

Du hast mich mitten ins Herz getroffen, Clark. Vom ersten Tag an, an dem du mit deinen lächerlichen Klamotten hereingestapft bist. Du hast mein Leben verändert. – Diese Aussage stammt aus „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, findet sich auf dem Buchrücken von „Ein ganz neues Leben“ wieder und genau wie der gesamte Roman schafft dieser Satz es, dass ich Gänsehaut bekomme und gerührt bin.

Der auf „Ein ganzes halbes Jahr“ aufbauende Roman „Ein ganz neues Leben“ hat mich von dem ersten bis zum letzten Satz mitgerissen, zum Nachdenken gebracht und inspiriert. Er motiviert dazu, sein Leben in vollen Zügen auszukosten und jede Chance zu nutzen, zeigt gleichzeitig aber auch, wie wertvoll die Liebe und die Menschen, die wir lieben, sind und wie schnell man alles verlieren kann.

Die Geschichte ist dramatisch und gleichzeitig so romantisch – Jojo Moyes hat es mal wieder geschafft, mich zu Tränen zu rühren. Ich wollte nicht, dass der Roman ein Ende nimmt, dass ich auf der letzten Seite ankomme und es dann einfach vorbei ist. Weil es einfach zu schön war und ich Louisa Clark, die Hauptprotagonistin, und alle anderen Charaktere des Buches schon so sehr in mein Herz geschlossen habe. Ihre Gedankengänge und Gefühle, ihre Handlungen und Fehler.

Ich hab so viele Textpassagen markiert, die mich inspiriert, berührt oder zum Nachdenken angeregt haben. Vielleicht auch alles auf einmal. Am liebsten würde ich alle mit euch teilen, aber ich glaube das wäre einfach zu viel. Deswegen habe ich die für mich Schönsten rausgesucht, was mir echt nicht leicht fiel, da ich alle so schön fand.


 

Nun stehe ich auf dem Dach und schaue auf die lichterblitzende Dunkelheit Londons hinunter. Um mich herum leben, atmen, essen und streiten Millionen von Menschen. Millionen von Leben, die vollkommen von meinem abgetrennt sind. Das ist eine seltsame Form von Frieden.

Man weiß nie, was passiert, wenn man aus großer Höhe abstürzt.

Ich fühlte mich orientierungslos ohne unseren eingespielten Alltag. Es dauerte Wochen, bis sich meine Hände nicht mehr nutzlos anfühlten, weil sie seinen Körper nicht mehr berührten; weil sie sein weiches Hemd nicht mehr zuknöpften, die warmen, bewegungslosen Hände nicht mehr wuschen, das seidige Haar nicht mehr zwischen den Fingern spürten. Ich vermisste seine Stimme, sein abruptes, seltenes Lachen, das Gefühl seiner Lippen auf den Fingern, die Art, auf die seine Lider schwer wurden, wenn er kurz vorm Einschlafen war.

Wir gingen langsam, beide mit einem Hinkebein und beide ein wenig verloren in der Welt.

Wie konnte ich ihnen klarmachen, dass diese wenigen Monate meine Sicht auf praktisch alles verändert hatten? Wie er meine ganze Welt so komplett auf den Kopf gestellt hatte, dass sie ohne ihn keinen Sinn mehr ergab.

„Nein. Er war ein guter Typ. Der Beste.“

Wie sollte sie verstehen, dass ihn zu verlieren war, als hätte mir jemand ein Loch durch den Körper geschossen; eine schmerzvolle, ständige Erinnerung, eine Leere, die ich niemals würde ausfüllen können?

Ich denke nicht, dass Glück etwas ist, was man sich verdienen muss.

Aber er hatte so eine Art, die Dinge zu regeln.

Ich hatte es geschafft. Ich hatte die Kontrolle. Ich war die Herrin über mein Schicksal.

Ich will ihn, aber ich fürchte mich zugleich davor, ihn zu wollen. Ich will nicht, dass mein Glück so stark von dem Glück eines anderen abhängt, sodass ich zum Spielball des Schicksals werde, das ich nicht mehr kontrollieren kann.

Nichts davon konnte mich treffen. Ich sang unter der Dusche, lag tagträumend auf dem Sofa. Ich trug meine alten Sachen, meine bunt gemusterten Cardigans und Satinpumps und schwebte in einer Luftblase aus Glückseligkeit, auch wenn ich wusste, dass Luftblasen immer irgendwann platzen.

Über den Dächern ging die Sonne unter, ihr orangefarbener Schein brach sich in dem grauen Dunst des Großstadtabends.

Manchmal betrachtete ich das Leben der Menschen um mich herum und fragte mich, ob wir nicht alle unweigerlich nur eine Spur der Zerstörung hinterlassen.

Man lebt. Und man stürzt sich auf jede Gelegenheit und denkt möglichst nicht an die blauen Flecken.

Das ist das Leben. Wir wissen nicht, was passieren wird. Und deswegen müssen wir unsere Chancen wahrnehmen, solange wir es können.

Das Leben ist zu kurz, stimmt’s? Das wissen wir beide. Was ist, wenn du meine Chance bist? Was ist, wenn du das Ereignis in meinem Leben bist, das mich am glücklichsten macht?

Ich brannte dieses Bild von ihm in mein Gedächtnis ein – wie er leicht vorgebeugt stand, das Licht auf seinem Haar, sein fester Blick, mit dem er mich immer ansah -, damit ich es mir an einsamen Tagen vor Augen rufen konnte. Denn einsame Tage würde es geben. Und schlimme Tage. Und Tage, an denen ich mich fragen würde, warum zum Teufel ich dem allen zugestimmt hatte. Denn auch das gehörte zu diesem Abenteuer.

Er würde da sein, würde zusehen, wie mein Flugzeug Geschwindigkeit aufnahm und sich in den weiten, blauen Himmel hinaufschwang. Und wenn ich Glück hatte, wäre er auch da und würde auf mich warten, wenn ich irgendwann wieder nach Hause kam. ♥


Alles in einem war es eine wunderschöne Fortsetzung von „Ein ganzes halbes Jahr“ und es sind diese beiden Romane, die mir von Jojo Moyes bisher am besten gefallen haben. „Ein ganz neues Leben“ hat wirklich meine Sicht auf gewisse Dinge verändert und mich vor allem dazu gebracht, die Menschen in meinem Leben, noch viel mehr zu schätzen. Weil man nie weiß, wie lange sie da sein werden.

Danke. <3

Habt ihr „Ein ganz neues Leben“ auch schon gelesen oder habt ihr es noch vor? Falls ihr es schon gelesen habt – wie hat es euch gefallen?

 

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6 Kommentare

  • S.Mirli
    19. Mai 2016 at 11:39

    Ich habe den ersten Teil so sehr geliebt, dass ich eigentlich die Fortsetzung nicht lesen wollte, weil ich Angst hatte, dass ich mir damit den ersten Teil „kaputt“ mache, aber ganz ehrlich, du hast mich jetzt davon überzeugt, dass ich mir das Buch noch dieses Wochenende kaufen werde, ich bin ganz verliebt in die wundervollen Textpassagen, die du rausgesucht hast und jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten. Vielen Dank für diese wundervolle Buchvorstellung, alles Liebe, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

    • Alina
      Alina
      20. Mai 2016 at 18:31

      Das freut mich!!
      In meinen Augen lohnt sich die Fortsetzung auf jeden Fall und macht auch keineswegs den ersten Teil kaputt 🙂
      Viel Spaß beim Lesen und lass mich mal wissen wie du es fandest 🙂 Liebe Grüße <3

  • Alissa
    20. Mai 2016 at 21:54

    ohh , danke für diese wunderschöne Rezension!!! <3 Die Zitate klingen ja wirklich alle unglaublich rührend .. 🙂 Ich habe mich auch wie so viele unglaublich in den ersten Teil verliebt und seit ein paar Tagen liegt auch der zweite Teil in meinem Zimmer.. du hast mich davon überzeugt, jetzt sofort damit anzufangen!! 🙂
    Küsschen
    Alissa
    http://www.alissaloves.de

    • Alina
      Alina
      22. Mai 2016 at 21:23

      Das freut mich! 🙂 <3

  • Miriam M.
    25. Mai 2016 at 12:29

    Auf meiner Leseliste stehen noch so viele Bücher. Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt nach den Prüfungen anfangen soll. Und nun werde ich mir höchstwahrscheinlich nächste Woche „Ein ganz neues Leben“ holen. Deine Buchvorstellung ist wirklich wundervoll und erst diese Textpassagen – Gänsehaut! Ich muss es mir einfach holen! Ich habe bereits „Ein ganzes halbes Jahr“ so geliebt. Wollte es am Ende gar nicht mehr aus der Hand legen.

    Liebe Grüße

    Miriam

    • Alina
      Alina
      27. Mai 2016 at 10:12

      Dankeschön <3 "Ein ganzes halbes Jahr" ist wirklich eines der tollsten Bücher, die ich bisher gelesen habe 🙂

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