Melancholie

Der Zustand, dass man traurig und leicht deprimiert ist sowie wenig Freude am Leben hat. – diese Definition findet man, wenn man das Wort „Melancholie“ googelt. Ein Wort, welches fast schon täglich in irgendwelchen Momenten verwendet wird. Und warum? Weil man ständig an die Vergangenheit denkt.

Es ist schon komisch, die letzten Jahre waren wundervoll. Aber an gewisse Zeiten möchte ich gar nicht zurückdenken. Ich möchte keine Fotos angucken und ich möchte keine Melodien hören, die mich an all die Momente von damals erinnern. Nicht, weil es eine schlechte Zeit war. Sondern weil es eine der schönsten war. Und wenn ich Bilder aus dieser Zeit anschaue, dann macht es mich nicht glücklich. Es macht mich unfassbar traurig. Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war! – wenn das so einfach wäre. Und eigentlich ist es das ja, aber irgendwie ist es auch verdammt schwer. Klar bin ich froh darüber, dass es schön war. Dass es so viele besondere Momente gab. Menschen, Orte, Erinnerungen. Aber diese Momente kommen nie wieder zurück. Und die Menschen darin auch nicht. Sie sind einfach für immer eine Erinnerung. Es war nur ein Lebensabschnitt. Der erste wirklich beendete in meinem Leben. Und eigentlich belastet es mich nicht, aber wenn ich Fotos von damals anschaue und mich wirklich zurück in diese Zeit hineinversetze…dann tut es weh. Ich kann nicht beschreiben wo. Und wie. Aber irgendwo tief im Inneren ist da so ein ganz bestimmter Schmerz, den ich nur in solchen Momenten spüre. Und obwohl er nicht mal so schlimm ist, fühlt er sich unerträglich an. Das ist wohl Melancholie. Und dann räume ich die Bilder ganz schnell wieder bei Seite und verstaue die Erinnerungen gut und sorgfältig in einer Kiste.

Das alles ist normal. Das ist der Lauf der Dinge. Es gibt eine Vergangenheit, eine Gegenwart, eine Zukunft. Alles kann uns manchmal Angst einjagen oder Schmerzen verursachen. Uns zum Weinen bringen. Uns zum Lachen bringen. Aber diese Melancholie, die sich im ganzen Körper breit macht – die kann irgendwie nur die Vergangenheit verursachen. Deswegen muss man so gut auf seine Erinnerungen aufpassen. Sonst verlieren wir die Kontrolle und sie überrollen uns – mit all den alten Gefühlen, Melodien, Momenten. Das alles fehlt mir nicht. Dem hinterherzutrauern bringt auch nicht viel, verschwendet bloß Zeit und Energie. Aber es ist schon komisch, wenn ich darüber nachdenke, dass ich damals mit einigen Menschen so unfassbar viel Zeit verbracht habe. Sie jeden Tag gesehen habe. Durchgehend Kontakt hatte. Man sitzt jahrelang in der Schule neben einer bestimmten Person und ohne mit ihr befreundet zu sein, bedeutet sie dann rückblickend doch so viel. Damals war das alles nur irgendwas. Nur irgendwer. Jeder Tag war ganz normal, ganz alltäglich. So wie jetzt. Aber wenn man auf etwas zurückblickt, das nicht mehr da ist, dann erscheint es viel besonderer als es war. Und viel großartiger, als man damals dachte. Und diese Gedanken tuen irgendwie weh. Weil man sich in solchen Momenten so sehr wünscht, das alles noch einmal erleben zu dürfen, obwohl man gar nicht in die Vergangenheit zurück möchte und gar nicht mehr dieser Mensch sein will, der man damals war.

Dieser eine Tag im Januar in diesem einen perfekten Jahr. Dieser eine Moment im Juni, in dem Jahr, in dem alles irgendwie zu Ende ging. Dieser eine Abend im Februar, in dem plötzlich etwas ganz Neues begann. Nochmal diese Musik hören, nochmal diese Gefühle spüren, nochmal zurückspulen. Zu allem was war und nie wieder sein wird.

Und auch wenn die Vergangenheit oder der Gedanke an die Vergangenheit manchmal weh tut oder Gefühle hervorruft, die man gar nicht fühlen möchte – das Hier und Jetzt wird für immer am meisten zählen. Manchmal gedanklich in die Vergangenheit zurückzureisen ist ganz normal, aber man sollte dort nicht zu viel Zeit vergeuden. Stattdessen sollten wir all diese Momente, Personen und Lieder, die gerade zählen, noch viel mehr schätzen. Weil sie auch irgendwann zu diesen Erinnerungen werden könnten. Ob wir es wollen oder nicht.

Melancholie – das ist für mich dunkelroter Nagellack, ein Haufen voller Fotos und geschriebener Tagebücher. Faded von Alan Walker. Sommerregen, während die Sonne leicht durch die Bäume scheint. Drama. Zu viele Glücksgefühle vermischt mit zu viel Traurigkeit. Ein orange-rosaner Sonnenuntergang und ganz viele Erinnerungen.

You may also like

4 Kommentare

  • Isabel
    22. Mai 2016 at 17:57

    Liebe Alina, ich fand diesen Beitrag so stark und gleichzeitig macht er mich sehr traurig. Es gehört verdammt viel Mut dazu solche Zeilen zu schreiben und sie mit UNS zu teilen…vielen Dank dafür…ich bin nicht oft sprachlos, aber mir fehlen jetzt die richtigen Worte….dennoch hoffe ich, dass diese Melanchonie verblasst und du im stahlenden Sonnenschein wieder lachen kannst:-) alles Liebe Isable
    http://www.isabelsbackblog.com

    • Alina
      Alina
      22. Mai 2016 at 21:14

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Zum Glück ist dieser melancholische Zustand bei mir nie ein dauerhafter 🙂
      Liebe Grüße <3

  • S.Mirli
    23. Mai 2016 at 11:03

    Liebe Alina, wie immer wieder wunderschön geschrieben und wirklich ein toller Beitrag, weil so ehrlich und frei geschrieben. Ich habe mich richtig in deinem Text verloren, weil ich mich auch wiedergefunden habe, aber weißt du was schön ist, man kann lernen sich so einer Melancholie richtig hinzugeben und zu genießn, vor allem, wenn man weiß, dass auch wieder andere Phasen kommen. Immer nur happy strahlend durch die Gegend laufen wäre ja auch langweilig, man braucht diese Hochs und Tiefs und auch wenn Erinnerungen vielleicht oft schmerzhaft sind, weil man vergangenes nicht wiederbelben kann, so können wir schon dankbar sein, dass wir sie haben überhaupt sammeln dürfen und eines ist sicher: heute ist die Zeit, auf die du später zurückschauen wirst…mit Sehnsucht, also genieße das heute, jeden Tag aufs Neue. Du bist wirklich ein ganz wundervoller Mensch, äußerlich, aber vor allem auch innerlich, bleib genau so ein denkender Mensch, davon gibt es viel zu wenige, alles Liebe, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

    • Alina
      Alina
      23. Mai 2016 at 11:10

      Vielen, vielen Dank für deine lieben Worte. Deine Kommentare rühren mich immer wieder aufs Neue und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht! <3

LEAVE A COMMENT

About me

Alina

Alina

20. Bremen. Berlinliebe. Tagebuch. Schreiben. Wasser. Reisen. Meer. Pizza. Uni. Liebe. Chai Latte. Lesen. Gedanken. Fotos. Erinnerungen. Hier und jetzt.

Signature

Follow

Follow
Follow