Bin ich egoistisch?

Vor ein paar Tagen bin ich aus Berlin wiedergekommen, besser gesagt vor fast einer Woche. In Berlin hatte ich sowieso rund um die Uhr etwas zu tun, schließlich musste jede Minute in dieser tollen Stadt genutzt werden. Aber auch als ich wieder zu Hause angekommen bin, war nicht wirklich viel Luft, um zu entspannen. Zeit für mich? Fehlanzeige. Ich war zwar zu Hause, in der Heimat, aber trotzdem kaum zu Hause, in meinem Bett. Natürlich fand ich das in Ordnung, habe es mir ja auch irgendwie so ausgesucht. Aber irgendwie merke ich jetzt doch, dass mir meine Zeit fehlt. Ich finde zu viel Zeit für sich selbst führt kann schnell dazu führen, dass man sich langweilt. Aber zu wenig Zeit für sich selbst führt schnell zu Stress. Man muss die Balance finden. Aber die finde ich diese Woche nicht. Und in der nächsten wahrscheinlich auch nicht. Weil jeder Erwartungen an mich hat, die ich erfüllen muss. Oder setze ich mich letzten Endes selbst unter Druck und bin die Einzige, die Erwartungen an mich hat?

Mein Terminkalender ist einfach voll. Und ich bräuchte nur einen Nachmittag zum Ein-und Ausatmen, aber stattdessen schnappe ich nach Luft.

Nein sagen? Kann ich. Aber bin ich dann nicht irgendwie egoistisch?

Ich habe mir irgendwann mal vorgenommen nur „ja“ zu den Anderen zu sagen, wenn ich dabei nicht „nein“ zu mir selbst sage. Und das habe ich so auch immer durchgezogen. Stand eine Party an, auf die ich absolut keine Lust hatte und bei der ich wusste, dass ich mich unwohl fühlen werde, bin ich nicht hingegangen.

Aber nun muss ich mich fragen, wie schmal der Grad zwischen „auf sich selbst hören“ und Egoismus wirklich ist. Natürlich ist es wichtig, das zu tun, womit man sich wohl fühlt. Aber kann es nicht auch schnell passieren, dass man das plötzlich als Entschuldigung für alles nimmt? Schließlich kann es ja irgendwie nicht sein, dass man jede Verabredung aus purer Faulheit absagt mit der Ausrede, dass man das tut, was man möchte und nicht was die anderen wollen. Dieses Verhalten ist unhöflich.

Am Wochenende stehen zwei Parties an. Zwei Parties von wirklich guten Freundinnen. Zwei Parties, zu denen ich definitiv nicht hingehen würde, wenn sie einfach nur von flüchtig Bekannten wären. Es ist nicht nur so, dass ich im Moment einfach nicht in Feierlaune bin, hinzukommt, dass am Wochenende Ostern ist und diese Parties absolut nicht in diese Familienzeit hineinpassen. Aber ich fühle mich gezwungen hinzugehen und frage mich, wieso ich mich überhaupt zwingen muss. Wieso kann ich nicht einfach Lust auf Feiern haben?

Bei diesen Parties abzusagen, würde sich egoistisch anfühlen. Ich wäre gekränkt, wenn die zwei nicht auf einer Party von mir erscheinen würden, also erscheine ich auf deren Parties. Schließlich sollte man die Menschen so behandeln, wie man selbst auch behandelt werden möchte.

Aber ich muss zugeben, dass es mir inzwischen schwer fällt, nein zu mir selbst zu sagen. Bin ich jetzt doch irgendwie egoistisch geworden? Bin ich zu lange auf diesem schmalen Grad herumbalanciert und letzten Endes heruntergefallen?

Es ist schwer, die Balance zu finden. Ich weiß, dass ich in den nächsten Tagen wenig Zeit für mich selbst haben werde. Ich werde weiterhin nach Luft schnappen und diese gedankliche Erkenntnis lässt mich noch viel mehr ersticken als mein voller Terminkalender.

Ich muss das positive an all diesen Dingen sehen.

Vielleicht habe ich wenig Zeit für mich, aber wenn ich die wenige Zeit zwischen den Ereignissen wirklich sinnvoll nutze, dann reicht sie vielleicht sogar.

Es ist ja irgendwie auch schön, viel zu erleben und manchmal braucht man wohl einfach einen kleinen Schubser. Oft sind ja die Parties, auf die man am wenigsten Lust hat, die Besten. Wenn man es einfach zulässt und mit der richtigen Einstellung herangeht.

 

 

You may also like

LEAVE A COMMENT

About me

Alina

Alina

20. Bremen. Berlinliebe. Tagebuch. Schreiben. Wasser. Reisen. Meer. Pizza. Uni. Liebe. Chai Latte. Lesen. Gedanken. Fotos. Erinnerungen. Hier und jetzt.

Signature

Follow

Follow
Follow