So etwas wie meine zweite Heimat

Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich zum allerersten Mal in meinem Leben in Berlin war. Ich war 9 Jahre alt, draußen war es schon dunkel und ich war gerade mit dem Zug angekommen und wurde mit dem Auto vom Hauptbahnhof abgeholt. Als ich auf der Rückbank des Autos saß und wir die Straße entlang fuhren, die zu der beleuchteten Siegessäule führte, fühlte ich mich, als würde mir die Welt gehören.

Natürlich war ich erst 9 und es war nicht die ganze Welt, sondern „nur“ Berlin. Aber für mich war es damals das Größte. Auch wenn ich es damals so sehr hasste, dass mein Bruder arbeitsbedingt dort hinziehen musste, war es irgendwie auch so etwas wie ein Geschenk.

Ich wollte damals unbedingt nach Berlin, ich kannte die Stadt aus dem Fernsehen, zugegeben schaute ich schon damals regelmäßig GZSZ und wollte einfach all diese Orte sehen, die ich jeden Abend in der Sendung sah. Die Stadt faszinierte mich einfach. Ich wollte zum Brandenburger Tor, den Fernsehturm sehen und U-Bahn fahren.

Dieses Gefühl von damals, als ich zum ersten Mal in dieser Stadt ankam, werde ich nie vergessen. Weil ich mich auch heute noch irgendwie so fühle wenn ich aus dem Fernbus oder dem Zug steige und die Berliner Luft einatme. Als würde mir die ganze Welt gehören.

Ich glaube entweder man liebt Berlin oder man hasst es. Irgendwie gibt es da kein Zwischending. Entweder man findet diese Stadt wunderschön oder einfach dreckig und hässlich.

Ich liebe Berlin. Ich habe diese Stadt damals geliebt und ich liebe sie auch heute noch. Ich war nun schon so oft dort und nie ist es langweilig, immer wieder entdecke ich neue Orte und unternehme andere Dinge. Nur eins bleibt immer, wirklich immer gleich: kein Berlinbesuch vergeht ohne einmal das Brandenburger Tor und den Fernsehturm gesehen zu haben. In diesem Fall bin ich ein typischer Touri, aber ich liebe diese beiden Orte. Ich sitze zu gerne bei Dunkin Donuts am Brandenburger Tor und genieße die Aussicht. Ich steige zu gerne aus der U-Bahn am Alexanderplatz und schaue von unten auf den hohen Turm hinauf. So komisch es auch klingen mag – der Anblick des Fernsehturms macht mich glücklich. Jedes Mal wenn ich in Berlin bin, führt eigentlich die erste Fahrt zum Ku’Damm ( shoppen muss einfach sein) und das ist meistens der erste Moment, in dem ich den Fernsehturm aus der U1 entdecke und mich einfach nur freue.

Ich gehöre nicht zu jenen, die sich mit halbem Pony und Wollsocken wie die typischen Berliner Hipster aufführen und in Kreuzberg abhängen. Ich mache weder Bilder vor Graffitiwänden, noch trinke ich Wein oder ernähre mich vegan. Ich war noch nie im Berghain und habe es auch nicht vor.

Ich liebe Berlin, aber ich bin es nicht. Ich fühle mich in Gegenden wie Kreuzberg nicht besonders wohl und das obwohl sie so typisch berlinerisch sind.

Mein Herz gehört einer anderen Gegend. Dort fühle ich mich heimisch, damit verbinde ich persönliche Dinge und Momente und vor allem wohne ich dort jedes Mal wenn ich zu Besuch bin.

Tempelhof.

Dort kenne ich mich aus, dort esse ich am liebsten Döner oder Burger, dort fühle ich mich so wohl, weil es ein bisschen wie zu Hause ist. Dort fährt die U6, in der ich schon mal morgens nach einer durchfeierten Nacht eingeschlafen bin. Dort war ich schon mit 9 und bin es auch heute noch. Dort war ich schon im Frühling, im Sommer, im Winter und ich finde es immer gleich schön. Dort lebt mein Bruder und wahrscheinlich ist es deswegen ein Stück zu Hause für mich.

Seit letztem Jahr aber sehe ich diesen Ort mit anderen Augen. Mit noch mehr Liebe. Nur wegen dir. Du hast mir das alles noch viel näher gebracht, wegen dir schätze ich das alles noch mehr und ich weiß, dass ich für immer und ewig an dich denken werde sobald ich mit der U6 „Tempelhof“ halte.

Wir sind nicht das typische Berlin, wir sind nicht vegane Weintrinker, die auf WG-Parties die Momente mit alten Polaroidkameras vom Flohmarkt festhalten ( nicht, dass Polaroidkameras schlecht sind – ich finde sie sehr cool, aber seit dieser ganzen Hipstersache sind sie halt doch ziemlich mainstream geworden). Wir sind nicht Kreuzberg oder Friedrichshain.

Wir sind cooler. Wir essen lieber Döner und trinken dazu Arizona, chillen draußen in normalen Hosen und sind lieber schön als mit Absicht hässlich.

Wir reduzieren die Stadt nicht auf Kreuzberg, weil sie einfach mehr ist.

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2 Kommentare

  • Maxim
    21. März 2016 at 2:31

    Hallo Alina,
    Dieser Post ist sehr süß. Genau wie du hasse ich hipster weil sie einfach die größten Opfer sind und nichts weiter als Mitläufer weil sie einfach Opfer sind .. Alles Opfer was sie machen, vegan ist scheisse und sie sehen einfach scheisse aus. Ach hab ich schon gesagt dass sie scheisse sind? 😀

    Peace Out
    Dein Tempelhofer Junge

    • Alina
      Alina
      21. März 2016 at 11:02

      Liebe <3

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Alina

Alina

20. Bremen. Berlinliebe. Tagebuch. Schreiben. Wasser. Reisen. Meer. Pizza. Uni. Liebe. Chai Latte. Lesen. Gedanken. Fotos. Erinnerungen. Hier und jetzt.

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