Ich will nur mein Bestes

Du siehst mich an. „Sei immer du selbst, mein Schatz“ hast du gesagt. „Und lasse dich von niemanden verbiegen, auch nicht von mir.“

Ich weiß noch genau, wie du das gesagt hast. Und ein Blick in deine Augen hat mir verraten, wie ernst es dir ist. Wie wichtig das ist. Ich sah zu dir hinauf. Bewunderte dich und deine Einstellung. Für mich warst du wie ein Vorbild, auch wenn du mir das nie geglaubt hast. Ich selbst zu sein und mich nicht verbiegen zu lassen – das sind Aufgaben und Herausforderungen in einer Welt, die uns immer zu etwas machen möchte, das wir nicht sind. Aber du hast mir Mut gemacht. Hast mir gezeigt, dass es funktioniert und mir immer die Angst vor dem Scheitern genommen. Ich habe mich immer gefragt, wie du das machst. Wie du so viel Stärke zeigen kannst, obwohl du innerlich selbst manchmal zerbrichst. Hast mir immer ein Gefühl der Sicherheit gegeben. Und ich wusste: es ist okay, zu scheitern. Aber ich wusste auch: ich werde nicht scheitern solange ich es probiere, solange ich an mich glaube. Denn du hast mir gezeigt, dass eines der wichtigsten Dinge ist, an sich selbst zu glauben. Und auch wenn ich das früher nie so richtig getan habe – jetzt tue ich es. Denn ich weiß inzwischen, dass ich stark bin und vor allem wie stark ich bin. Und wenn nicht, dann bist du es für mich. Denn das warst du immer. Und ich weiß, dass ich keine Menschen in meinem Leben brauche, die mich belächeln. Die, wenn ich hinfalle, Dinge sagen wie „Hab ichs dir doch gesagt!“. Das ist keine Hilfe. Das war es noch nie. Ich bin froh, dass mir das klar geworden ist. Ich bin froh, dass ich meinen Wert erkannt habe. Ich muss nichts akzeptieren, was mir nicht gefällt und ich muss nichts tuen, womit ich mich unwohl fühle. Und manchmal, manchmal vergesse ich deine Worte von damals. Verbiege mich ein kleines Stück, passe mich unbewusst an. „Tut mir Leid“ flüstere ich dann in die dunkle Nacht hinein. Nicht, dass du es mir böse nehmen würdest, aber ich selbst tue es. Wollte dir doch zeigen, dass ich deine Worte nie vergessen habe. Denn das habe ich bis heute nicht – wirklich! Ihr Klang wird für immer nachhallen.

Manchmal bin ich von meinem Weg abgekommen. Und auch das hast du mir nie übel genommen. „Kein Weg ist richtig oder falsch, denn jeder bringt dich irgendwann zu deinem Ziel. Die Hauptsache ist, dass du gehst“ hast du geantwortet, wenn ich dir wieder einmal von falschen Entscheidungen berichtete. Von meinen Ängsten, in die falsche Richtung zu laufen. Und du hast gesagt, dass man manche Ängste einfach ignorieren sollte. Dass Ängste nur im Kopf existieren, niemals im Leben. Von da an habe ich den Ängsten, die mich auf meinem Weg nur stoppen ließen, keinerlei Beachtung mehr geschenkt. Dank dir.

Noch nie erschien mir ein Mensch so weise und so stark wie du. Obwohl ich wusste, dass du es nicht immer warst. Obwohl ich wusste, was dich im Inneren beschäftigte, belastete. Obwohl ich wusste, dass du deinen Ratschlägen selbst nicht immer folgtest, tat ich es. Weil ich wusste, dass sie richtig waren. Weil ich wusste, dass alles, was du sagst, richtig ist. Hätte ich dir bloß öfter Recht gegeben, denn immer wieder musste ich mir eingestehen, dass du nie im Unrecht warst. Weil dein Handeln, deine Taten und all deine Worte so unglaublich durchdacht waren. Sie hatten einen so tiefen Hintergrund, den niemand erkennen konnte. Niemand außer mir. Denn man sollte öfters hinter die Fassade blicken.

Und so oft hast du mir Dinge genommen, weil du meintest, sie seien schlecht für mich. „Glaube mir, ich will nur dein Bestes“ – wie sollte ich dir das glauben, wenn du mir das scheinbar Beste ständig nahmst? Aber es war nicht das Beste. Das Beste war immer, dich zu haben. Weil du wusstest, was gut für mich ist. Und weil du es mich immer hast wissen lassen, wenn auch manchmal auf eine schmerzvollere Art voller Tränen und Verzweiflung. Aber es war okay, denn daraus habe ich gelernt. Du wolltest immer nur mein Bestes. Und nun will ich das auch.

Denn durch dich habe ich feststellen dürfen, was das Beste ist. Und dank dir weiß ich, dass ich mich mit nichts schlechterem zufrieden geben lassen sollte.

Ich bin froh, dass ich meinen Wert erkannt habe. Ich muss nichts akzeptieren, was mir nicht gefällt und ich muss nichts tuen, womit ich mich unwohl fühle. Denn ich will nur mein Bestes.

„Das ist so wichtig…so so wichtig“ hast du gesagt.

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3 Kommentare

  • WMBG
    11. September 2016 at 16:30

    Hey liebe Alina!

    Sehr schöner Text, der zum Nachdenken anregt 🙂

    XXX,

    Wiebke von WMBG

    Instagram||Facebook

  • Alissa
    11. September 2016 at 22:03

    <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 so viel Liebe für dich und diesen Post! Diese Erkenntnis ist so wichtig und du hast sie so schön nieder geschrieben!
    Küsschen :*
    Alissa
    http://www.alissaloves.de

  • S.Mirli
    12. September 2016 at 11:49

    Liebe Alina, wie so oft lässt du mich sprachlos mit 1000 schwirrenden Wörtern in meinem Kopf zurück. Ich liiiiebe diese Alina-Texte, die mich sooo tief berühren, jedesmal so sehr zum denken und vor allem fühlen bringe, viiiielen Dank, weil ich möchte gar nicht viel mehr hinzufügen, weil das einfach zu viel wäre. Einfach nur DANKE für deine Gedanken und dass du sie mit uns teilst und ich bewundere dich und deine Stärke sowieso, ich bin einfach dein Fan, aber das weißt du ja. Alles Liebe und gaaaaanz liebe Grüße, Küsschen aus Graz, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

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20. Bremen. Berlinliebe. Tagebuch. Schreiben. Wasser. Reisen. Meer. Pizza. Uni. Liebe. Chai Latte. Lesen. Gedanken. Fotos. Erinnerungen. Hier und jetzt.

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